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08. September 2026 · 2 Min Lesezeit

Kompressionsstrümpfe nach der Operation: Brauchen sie wirklich alle?

Kompressionsstrümpfe nach der Operation: Brauchen sie wirklich alle?

Kompressionsstrümpfe gehören nach einer Operation für viele Patient:innen ganz selbstverständlich zur Thromboseprophylaxe. Doch sind sie tatsächlich für alle notwendig? Eine aktuelle Studie stellt den zusätzlichen Nutzen infrage und zeigt, warum individuelle Entscheidungen und evidenzbasierte Versorgung immer wichtiger werden.

Nach einer Hüft- oder Knieoperation stehen verschiedene Maßnahmen zur Thromboseprophylaxe im Mittelpunkt. Dazu können Medikamente ebenso gehören wie Kompressionsstrümpfe. Während die Strümpfe für viele Patient:innen ganz selbstverständlich zur Versorgung gehören, stellt eine aktuelle Studie die Frage, welchen zusätzlichen Nutzen sie tatsächlich bieten.


Eine 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse untersuchte den Einsatz von Kompressionsstrümpfen zur Thromboseprophylaxe in der orthopädischen und traumatologischen Chirurgie.



Was zeigt die aktuelle Forschung?


Die Autor:innen kommen zu dem Ergebnis, dass Kompressionsstrümpfe keinen zusätzlichen Nutzen hinsichtlich der untersuchten thromboprophylaktischen Endpunkte zeigen, wenn Patient:innen bereits eine medikamentöse Thromboseprophylaxe erhalten.


Das bedeutet allerdings nicht, dass Kompressionsstrümpfe grundsätzlich unnötig sind. Die Ergebnisse müssen immer im Zusammenhang mit der individuellen Situation betrachtet werden.



Nicht jede Maßnahme passt für jede Person


Genau hier wird ein wichtiger Grundsatz moderner Medizin deutlich: Eine Maßnahme sollte nicht allein deshalb eingesetzt werden, weil sie bisher routinemäßig zur Versorgung gehört.

Entscheidend ist vielmehr die Frage: Welchen Nutzen hat diese Maßnahme für die einzelne Patientin oder den einzelnen Patienten?


Je nach individuellem Thromboserisiko, Operationsverlauf und weiterer Prophylaxe kann die Entscheidung unterschiedlich ausfallen. Deshalb sollten Patient:innen ihre persönliche Thromboseprophylaxe immer mit dem behandelnden Team besprechen und Kompressionsstrümpfe nicht eigenständig absetzen oder auf deren Anwendung verzichten.



Gute Medizin bedeutet nicht automatisch mehr


Die Studie liefert damit auch einen Denkanstoß für die Versorgung. Gute Medizin bedeutet nicht zwangsläufig, möglichst viele Maßnahmen einzusetzen. Es geht darum, diejenigen Maßnahmen auszuwählen, die für die jeweilige Person einen tatsächlichen Mehrwert bieten.


Dafür ist es wichtig, etablierte Routinen regelmäßig zu hinterfragen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse in medizinische Entscheidungen einfließen zu lassen.


Für Patient:innen bedeutet das gleichzeitig: Fragen sind ausdrücklich erwünscht. Wer versteht, warum eine bestimmte Maßnahme empfohlen wird und welchen Nutzen sie im eigenen Fall haben soll, kann gemeinsam mit dem Behandlungsteam fundierte Entscheidungen treffen.



Quelle: Stengel, D. et al. (2025). Graduated Compression Stockings for Thromboprophylaxis in Orthopaedic and Trauma Surgery: A Rapid Review and Meta-Analysis. Journal of Clinical Medicine, 14(23), 8578.


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